Großer Jubel an der Förde: Deutschland wird sich mit München als Austragungsort der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bewerben. Damit lebt der Traum von den dritten olympischen Segelwettbewerben in Kiel weiter. Die bayrische Landeshauptstadt hatte sich zuvor auf Schilksee als Segelrevier festgelegt.
Die Entscheidung wurde am Sonnabend, 26. September, durch die Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden getroffen. Diese hatten mit 91:50 Stimmen und damit deutlicher als erwartet gegen Münchens Rivalen Köln-Rhein-Ruhr gestimmt – und damit für eine Neuauflage der Spiele von 1972, die in München und Kiel stattgefunden hatten. Stimmberechtigt waren die 42 olympischen Spitzenverbände mit je drei Stimmen sowie die persönlichen Mitglieder und die Präsidiumsmitglieder des DOSB.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) war ebenso wie Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) und Barbara Ostmeier, Präsidentin des Landessportverbandes, bei der Verkündung des Abstimmungsergebnisses durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schwarzwald dabei. Günther freute sich fürs ganze Land: „Die Entscheidung gibt dem Sport ohne Zweifel zusätzlichen Rückenwind.“
Auch die Reaktionen aus Wirtschaft, Sport und Politik waren am Rande eines Public Viewings im Kieler Yacht-Club euphorisch. Knud Hansen, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK), sprach von einem „großartigen Tag“. Hauke Berndt, Vorsitzender des Kieler Yacht-Clubs und Mitbegründer der Kieler „Jo!“-Kampagne, sagte: „Stadt, Land und Verbände stehen hinter uns. Das hat eine Dynamik freigesetzt, die wir weiter nutzen wollen.“ Und Seglerin Freya Feilcke, die mit Maru Scheel WM-Fünfte bei den 49erFX-Frauen wurde, versprach: „Die Entscheidung wird uns einen Push geben, auch nach Olympia 2028 in L.A. weiter anzugreifen.“
Im Vorfeld der Kandidaten-Entscheidung hatten sich die größten Regionalverbände im Deutschen Segler-Verband (DSV) für Kiel ausgesprochen, darunter sogar der Segler-Verband Nordrhein-Westfalen. Diese Regionalverbände würden zusammen „75 Prozent der deutschen Seglerinnen und Segler repräsentieren“, hatte Schleswig-Holsteins Sportministerin Magdalena Finke (CDU) gesagt. Dennoch hatte sich Köln-Rhein-Ruhr, nach dem Rückzug Berlins am vergangenen Donnerstag einzig verbliebener Konkurrent der Münchner, im Sinne einer politisch motivierten West-Ost-Bewerbung auf Rostock-Warnemünde als Segelpartner festgelegt.
Auch die Mehrheit der Bevölkerung in Kiel ist von Olympia in der eigenen Stadt überzeugt. Bei dem Bürgerentscheid im April hatten sich 63,5 Prozent für die Bewerbung ausgesprochen. Aus der Politik hatte die Kieler Ratsfraktion der Linken eine Bewerbung abgelehnt. Die Bürgerinitiative NOlympia Kiel kündigte an, den Prozess weiter kritisch begleiten zu wollen.
Mit Nachdruck sollen nun Münchens Pläne beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) platziert werden. Im März 2027 wollen Deutschlands Olympia-Macher dabei sein, wenn bei einer Vorauswahl die aussichtsreichen Kandidaten in den sogenannten „Strategischen Dialog“ mit dem IOC aufrücken. 2029 werden die Olympischen und Paralympische Spiele 2036 vergeben, womöglich auch die für 2040. Kiels Oberbürgermeister Yilmaz kündigte am Sonnabend an: „Mit meinem Münchner Kollegen stehe ich bereits im engen Austausch. Jetzt kommt viel Arbeit auf uns zu.“ (KN, 28.9.26/aha)